Einführung Cloud Computing

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Cloud Computing Definition

NIST Definition

Unterschiedliche Ansätze und Definitionen des Begriffs Cloud Computing, sowie eine große Variation an unterschiedlichsten Angeboten, führen noch immer zu Schwierigkeiten, ein einheitliches Bild von Cloud Computing zu erzeugen (vgl. Martens u.a. 2010, S.53). 2009 stellte das United States National Institute of Standards and Technology (NIST) eine Definition für Cloud Computing auf, welche heute weit verbreitet ist.

“Cloud computing is a model for enabling ubiquitous, convenient, on-demand network access to a shared pool of configurable computing resources (e.g., networks, servers, storage, applications, and services) that can be rapidly provisioned and released with minimal management effort or service provider interaction” (Mell und Grance 2011, S.2).

5 Charakteristiken

Das Cloud Model von NIST sieht außerdem fünf Charakteristiken vor, welche das Model der Cloud Computing Technologie eindeutig auszeichnen (vgl. Mell und Grance 2011, S.2):

• On-demand self-service

Ein Kunde kann je nach Bedarf selbstständig und ohne Interaktion mit dem Service Provider Rechenressourcen, wie z.B. Rechenzeit oder Netzwerkspeicher, abrufen.

• Broad network access

Die Ressourcen sind über das Netzwerk hoch verfügbar und können sowohl über Thin oder Thick Clients abgerufen werden (z.B. Handys, Tablets, Laptops und Arbeitsplatzrechner).

• Resource pooling

Die Ressourcen des Service Providers sind so zusammengefasst, dass mehrere Konsumenten durch ein mandantenfähiges Model mit physikalischen oder virtuellen Ressourcen versorgt werden können. Der Verbraucher besitzt hierbei weder die Kenntnis noch die Kontrolle über die genaue Lage der zur Verfügung gestellten Ressourcen.

• Rapid elasticity

Die Ressourcen werden dem Verbrauch unverzüglich und elastisch bereitgestellt, in der Weise, dass sie den ändernden Bedürfnissen des Verbrauchers angepasst werden (zum Teil auch automatisch). Der Nutzer gewinnt hierbei den Eindruck, dass ihm unbeschränkte Ressourcen zur Verfügung stehen, die jederzeit hinzugefügt oder entfernt werden können.

• Measured services

Ressourcen werden automatisch von Cloud Computing Systemen kontrolliert und optimiert an die einzelnen Verbraucher verteilt. Der Verbrauch der Ressourcen wird hierbei je nach Servicetyp (z.B. Speicher, Prozesse, Bandbreite oder aktive User Accounts) gemessen, kontrolliert und berichtet, um Transparenz für den Provider, sowie den Nutzer herzustellen. Dienste werden dementsprechend abgerechnet.

Grid Computing

Das Grundprinzip des Grid Computing ist die Aggregation von verteilten Ressourcen verschiedener Anbieter sowie von verschiedenen geographischen Standorten, um rechenintensive und komplexe Berechnungen durchführen zu können (vgl. Furht und Escalante 2010, S. 185 & Buyya u.a. 2011, Kap.1). Da solche Berechnungen zumeist bei wissenschaftlichen Anwendungen vorkommen, wurde Grid Computing primär von der Forschung und nicht dem Industriesektor vorangetrieben (vgl. Zhang u.a. 2010, S.8 & Weinhardt u.a. 2009, S.392).

Aufgrund des Charakters der verteilten Ressourcen wird ein Computing-Grid als heterogen bezeichnet. Dies bedeutet, dass die zur Verfügung gestellten Ressourcen aus verschiedensten Hardware Komponenten bestehen, aus underschiedlichen Organisationen stammen und vielfältig in ihren Funktionen sind (vgl. Furht und Escalante 2010, S.185 & S.89). Das fundamentale technische Konzept, welches Grid Computing ermöglicht, ist die Verteilung von dezentralen Ressourcen unter Verwendung von Standards, sowie offenen Protokollen und Schnittstellen, um auf die unterschiedlichen Ressourcen zugreifen zu können (vgl. Sitaram und Manjunath 2011, S.374-375).

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Abbildung 1: Grid Computing Model (Quelle: eigene Darstellung)

Abbildung 1 zeigt eine mögliche Beziehung zwischen den einzelnen Netzknoten (Grid nodes), die durch einen Masterknoten (Master node) verwaltet werden. Cloud Computing hat wesentliche Ideen und Technologien vom Konzept des Grid Computings übernommen, wie z.B. hoch skalierbare Infrastrukturen im Bezug auf die variierenden Anforderungen des Benutzers. Sowohl Grid Computing als auch Cloud Computing ermöglichen die Bereitstellung ihrer Dienste über das Internet an mehrere Mieter gleichzeitig (vgl. Sitaram und Manjunath 2011, S.379). Aber im Gegensatz zu Grid Computing wurde Cloud Computing nicht zum Zwecke der Verarbeitung nur einer komplexen Aufgabe konzipiert. Im Gegensatz zu der heterogenen Natur von Grid Computing, basiert Cloud Computing auf homogenen Ressourcen und ermöglicht die flexible Bereitstellung von Ressourcen ohne vorherige Planung, wie sie beim Grid Computing notwendig ist (vgl. BITKOM 2009, S.70).

Virtualisierung

Die vielseitigen Einsatzmöglichkeiten und Anbieter im Bereich Virtualisierung haben in den letzten Jahren den Grundsteim für das ansteigende Wachstum von Cloud Computing gelegt. Virtualisierung ist die Schlüsseltechnologie für die meisten Cloud Architekturen. Die durch Virtualisierung erreichte Konsolidierung mehrerer heterogener physikalischer Ressourcen, wird dem Benutzer als homogene Ebene vermittelt und ermöglicht somit sowohl eine zentrale Steuerung, als auch eine enorme Verringerung der Anzahl physischer Ressourcen und der damit zusammenhängenden Infrastruktur.

Server Virtualisierung ist die Abstraktion von logischen Systemen weg von der zugrundeliegenden physikalischen Implementierung. So wird die Konsolidierung von vielen Instanzen von virtualisierten Servern auf einem einzigen physikalischen Layer ermöglicht (vgl. Shroff 2010, S.89). Mit diesem Prinzip wird die zugrundeliegende Infrastruktur den Rechenprozessen versteckt (vgl. Tianfield 2011, S.1395f). Die minimale Anzahl der Komponenten, welche in einer virtuellen Umgebung benötigt werden, sind eine virtuelle Maschine (VM) sowie ein Virtual Machine Manager (VMM), auch bekannt als Hypervisor. Virtuelle Netzwerke, wie beispielsweise ein Virtual Private Network (VPN), ermöglichen dem Verbraucher, die Cloud Ressourcen über eine kundenspezifische Netzwerkumgebung zu erreichen (vgl. Furht and Escalante 2010, S.9).

Eine virtuelle Maschine ist ein virtuelles System, welches als komplettes Betriebssystem ausgeführt wird. Im Unterschied zu physikalischen Systemen, läuft eine virtuelle Maschine auf einer virtuellen Umgebung, anstatt direkt auf der Hardware installiert zu sein. Somit können mehrer Instanzen von virtuellen Maschinen parallel auf einer physikalischen Maschine ausgeführt werden (vgl. DATACOM Buchverlag GmbH, o.J.). Ein Virtual Machine Manager, oder auch Hypervisor, ist diejenige Software, die die Kontrolle und gleichzeitige Ausführung mehrerer virtueller Maschinen ermöglicht (vgl. Shroff 2010, S.90).

Virtualisierungstechniken im Umfeld von Cloud Computing ermöglichen die Bereitstellung von Cloud Diensten an mehrere Verbraucher, während die Dienste auf nur einer physikalischen Maschine gehostet sind. Dies bezeichnet man als ein mandantenfähiges Model (engl.: multi-tenancy)(Sitaram und Manjunath 2011, S.353). Folglich können Ressourcen optimal genutzt werden und somit eine Reduzierung von Hardware Investitions-, sowie Wartungs- und Energiekosten herbeigeführt werden. In Bezug auf funktionale Vorteile erhöht Virtualisierung die Auslastung und Bereitstellungszeit und verbessert flexibles Workload Management sowie die Wartbarkeit (vgl. Jin u.a. 2010, S.6).

Als Ergebnis dessen, können Cloud Anbieter ihre Dienste und ihre Ressourcen schneller und kostengünstiger anbieten (vgl. BITKOM 2009, S.7 & Furht und Escalante 2010, S.9). Folgende Abbildung 2 vergleicht Anwendungen, die jeweils auf einer physikalischen Maschine gehostet werden (Szenario 1) mit Anwendungen, die auf einer gemeinsamen physikalischen Maschine durch Virtualisierungtechnologie gehostet werden (Szenario 2). Jeder Block, bestehend aus einer Anwendung und einem Betriebssystem, ist hierbei eine virtuelle Maschine. Dadurch können mehrere Anwender von nur einer Hardware Komponente bedient werden (multi-tenancy).

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Abbildung 2: Virtualisierung als Technologie zur Mandantenfähigkeit (Quelle: eigene Darstellung, angelehnt an Sitaram und Manjunath 2011, S.352)

Utility Computing

Sitaram and Manjunath (2011, S.383) definieren Utility Computing als Geschäftsmodell, bei welchem eine Kombination von verschiedenen Computing Ressourcen, wie z.B. Rechenleistung, Speicher und Anwendungen, wie ein messbarer Service angeboten wird. Die Idee dieser messbarer Services orientiert sich an den traditionellen öffentlichen Versorgungdiensten, wie Wasser, Elektrizität, Gas und Telefonnetz (vgl. Buyya u.a. 2009, S.3). Ebenso wie für jene Versorgungsdienste, zahlen die Nutzer ihre Computing Dienste auf Basis ihrer verbrauchsgerechten Verwendung. Die Computing Einheiten werden für den Verbraucher genau dann zur Verfügung gestellt, wenn er sie verlangt (vgl. Gong u.a. 2010, S.278). Dies soll vergleichbar mit dem Aufdrehen eines Wasserhahns sein. Folglich muss der Benutzer des Services nicht für Equipment/Hardware aufkommen, sondern ihm werden ausschließlich die messbaren Ressourcen in Rechnung gestellt, die er tatsächlich genutzt hat. Cloud Computing wird daher als eine Art der Realisierung des Geschäftsmodells von Utility Computing gesehen. Dies gilt für alle Bereiche der Service Modelle, d.h. für Infrastrukturen, Plattformen und Applikationen (vgl. Zhang u.a. 2010, S.8 & Sitaram und Manjunath 2011, S.383).

Service-orientierte Architektur

Bei der Service-orientierten Architektur (kurz „SOA“; abgeleitet vom englischen Begriff „Service Oriented Architecture“) handelt es sich um ein logisches Architekturmodell, welches auf Dienste oder Services zur Erstellung von Software zurückgreift (vgl. Liebhart 2007, S. 1). Diese sind voneinander unabhängig („lose Kopplung“) (vgl. Margolis und Sharpe 2007, S. 1) und enthalten jeweils eine definierte Schnittstelle für die Kommunikation mit anderen Diensten („Abstraktion“) und eine abgegrenzte Funktionalität nach innen („Kapselung“) (vgl. Burbiel 2007, S. 481). Dadurch können die Dienste unabhängig von ihrer Realisierung gesteuert bzw. koordiniert („orchestriert“) werden (vgl. Masak 2007, S. 2; Rosen et al. 2008, S. 36). Als Basis für den Aufbau und die Nutzung der Dienste werden hauptsächlich Geschäftsprozesse, wie z.B. die Erstellung einer Reisekostenabrechnung, das Anlegen eines Benutzerkontos für eine Bibliothek oder die Entwicklung von Software, herangezogen, da deren Abstraktionsebenen in Umfang und Inhalt als Aufbaugrundlage für konkrete Serviceimplementierungen verwendet werden können (vgl. Choi et al. 2010, S. 255).

Abbildung 3 (vgl. Baun et al. 2011, S. 20) veranschaulicht das SOA-Konzept anhand des Zusammenspiels von Dienstnutzer, -anbieter und -verzeichnis. Der Dienstanbieter bietet ein Verzeichnis der verschiedenen Dienste, das Dienstverzeichnis, an, in welchem Dienstnutzer nach Diensten zur Unterstützung ihrer Geschäftsprozesse suchen können. Alternativ können Dienste auch über sogenannte Broker vermittelt werden. Wurde ein geeigneter Dienst gefunden bzw. vermittelt, erhält der Nutzer eine Referenz für den Zugriff auf den Dienst (vgl. Baun et al. 2011, S. 20f).

Das SOA-Konzept findet beispielsweise bei Webservices Anwendung (vgl. Furht und Escalante 2010, S. 10). Diese sind über eine klar definierte Schnittstelle nach außen, das Internet, erreichbar und unterstützen die Kommunikation zwischen mehreren Anwendungen. Anwendungen werden in einzelne Dienste unterteilt und können deshalb nach Bedarf in Anspruch genommen werden (vgl. Sitaram und Manjunath Beispiel.jpg2012, S. 158ff).

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Abbildung 3: SOA Architektur (Quelle: eigene Darstellung nach Braun et al. 2011, S. 20)

Ausgehend von der Umsetzung des SOA-Konzepts bei Webservices, sollten einzelne Cloud Dienste (Software, Plattform und/oder Infrastruktur) nach Bedarf genutzt und auch mit den Diensten anderer Hersteller kombiniert werden können (vgl. Furht und Escalante 2010, S. 16f; BITKOM 2009, S. 73).

Durch das Verknüpfen von Cloud Technologien mit dem Service-orientierten Architektur-Konzept können alle Vorteile der Service-Orientierung genutzt werden, wie beispielsweise die einfache Anpassungsfähigkeit und Wiederverwendbarkeit von Diensten, damit verbundene Kosteneinsparungen, Flexibilität und Skalierbarkeit oder die einfache Integration von Diensten eines/mehrerer Anwender (vgl. Masak 2007, S. 11f; Burbiel 2007, S. 481ff; BITKOM 2009, S. 73). Allerdings können Probleme mit der Skalierbarkeit auftreten, wenn Millionen von Dienstnutzern gleichzeitig auf denselben Dienst zugreifen. Zudem können mangels ausreichender Normung und Standardisierung des Cloud Computing die Integrations- und Kompatibilitätspotentiale von Diensten verschiedener Anbieter nicht gänzlich ausgeschöpft werden (vgl. Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie 2012).


Service Modelle

Es existieren mehrere Arten von Cloud Computing , welche man in drei verschiedene Service Modelle unterteilen kann. Allen drei Modellen ist gemeinsam, dass die IT-Leistungen als Dienste („as a Service“) bereitgestellt werden. Diese sind Infrastructure, Platform und Software. (siehe Mell, 2011, S. 2-3)

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Service Modelle (Quelle: eigene Darstellung

Infrastructure as a Service (IaaS)

„IaaS ist im Rahmen von Cloud Computing die Bereitstellung einer skalierbaren IT-Infrastruktur auf nicht eindeutig zugeordneten IT-Ressourcen über Netzwerk.“ (BITKOM, 2009, S. 24)
Im Wesentlichen wird Rechen- und Speicherleistung auf virtualisierten Servern sowie Netzwerkinfrastruktur-Funktionalität mit hohem Standardisierungsgrad und intelligentem System-Management als Service bereitgestellt. Der Benutzer greift hier auf bestehende Dienste innerhalb des Systems zu, verwaltet seine Recheninstanzen allerdings weitestgehend selbst. Auf Basis des Bezahlens nach Verbrauch, ermöglicht IaaS neue Geschäftsmodelle, da hohe Vorabinvestitionen in Infrastruktur entfallen. Dieses Cloud-Angebot lässt vollkommene Freiheit im Hinblick auf eine Programmier- Schnittstelle oder andere Services. Das Leistungsangebot ist bei den heutigen IaaS-Anbietern zunehmend standardisiert. Grundsätzlich lassen sich Storage- und Computing-Services unterscheiden, wobei ein Storage-Service in der Regel die Grundlage für einen Computing-Service des gleichen Anbieters ist. Storage- und Computing-Services integrieren dann weitere Leistungen wie Netzwerk-Nutzung. Die Nutzer-gesteuerte Provisionierung betrifft bei IaaS alle Komponenten oberhalb des Betriebssystems. Der Nutzer provisioniert in der Regel die komplette Software in das virtuelle Rechenzentrum, inklusive Entwicklungsumgebung, Anwendung und Anwenderdaten. Der Nutzer hat dabei vollen administrativen Zugriff auf alle virtuellen Ressourcen. Dies wird durch eine Virtualisierungsschicht ermöglicht, die alle Kundenumgebungen von der darunterliegenden Hardware vollständig abstrahiert und isoliert.
Beispiele hierfür sind: Amazon EC2, AppNexus, HP Cloud Enabling Computing, Microsoft Windows Azure Platform

Platform as a Service PaaS

„PaaS ist im Rahmen von Cloud Computing die Bereitstellung von gemeinsam nutzbaren Laufzeit- oder Entwicklungsplattformen auf nicht eindeutig zugeordneten IT-Ressourcen über Netzwerk.“ (BITKOM, 2009, S. 25)
Dieses Geschäftsmodell stellt eine integrierte Laufzeit- und Entwicklungsumgebung als Dienst zur Verfügung, welcher dem Anwender nach Nutzung abgerechnet wird. Mit PaaS befassen sich System-Architekten und Anwendungsentwickler. Es beschreibt Services auf der Anwendungs-Infrastruktur-Ebene (Datenbanken, -Integration und Security), die auf Basis von technischen Frameworks, also Entwicklungs-Plattformen, angeboten werden. Mit ihnen lassen sich Anwendungskomponenten entwickeln und Plattform übergreifend integrieren. Platform as a Service ist ein offenes Konzept, bei dem verschiedene Software-Hersteller und Betreiber höherwertige lose gekoppelte Anwendungs-Infrastruktur-Dienste in Form technischer Frameworks anbieten, um den Abstraktionsgrad in der Anwendungsarchitektur zu erhöhen.
Beispiele hierfür sind: Force.com, Google App Engine, Microsoft Azure Services (SQL Azure, .NET Services)

Software as a Service SaaS

„SaaS ist im Rahmen von Cloud Computing die Bereitstellung von gemeinsam nutzbarer Software auf nicht eindeutig zugeordneten IT-Ressourcen über Netzwerk.“ (BITKOM, 2009, S. 27)
Software as a Service (SaaS) ist eine Form von Cloud Computing, bei der Nutzer eine Applikation über das Internet beziehen. Dabei werden Infrastruktur-Ressourcen und Applikation zu einem Gesamtbündel kombiniert. Nach ihrem Wesen, Applikationen situativ zu nutzen und nutzungsabhängig zu bezahlen, wird SaaS häufig als „Mietsoftware“ bezeichnet. Da es sich bei SaaS um Standardanwendungen handelt, die bereits für andere Unternehmen betrieben werden, sind die Anwendungen „sofort“ verfügbar. Sie sind in Unternehmen einfach und schnell zu testen, zu implementieren und zu verwalten.
Beispiele hierfür sind: Microsoft Online Services und CRM Online, Salesforce.com, WebEx, Microsoft Windows Live Services

Verantwortlichkeiten innerhalb der Service Modelle

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Verantwortlichkeiten innerhalb der Service Modelle (Quelle: nach Badger et al. 2011, S.5.3)

Liefermodelle

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Liefermodelle (Quelle: eigene Darstellung)

Private Cloud

Die Private Cloud wird auch „Internal Cloud“ oder auch „IntraCloud“ genannt. Anbieter und Nutzer der Private Cloud gehören derselben organisatorischen Einheit an. Die Private Cloud ist eine kundeneigene, vom Kunden selbst betriebene Cloud-Umgebung, dessen Zugang beschränkt ist. Der Zugang wird den Kunden selbst, autorisierten Geschäftspartnern, Kunden und Lieferanten über das Intranet zur Verfügung gestellt. Die Effiziente, standardisierte und sichere IT-Betriebsumgebung ist unter Kontrolle des Kunden und erlaubt eine individuelle Anpassung.

Public Cloud

Eine Public Cloud ist eine sich im Eigentum eines IT-Dienstleisters befindliche und von diesem betriebene Cloud-Umgebung. Der Zugriff erfolgt meist über das Internet. Viele Unternehmen teilen sich eine virtualisierte Infrastruktur. Die Nutzung erfolgt flexibel und schnell durch Subskription. Eine Public Cloud stellt eine Auswahl von hochstandardisierten Geschäftsprozess-, Anwendungs- und/oder Infrastruktur-Services (Service-Modulen) auf einer variablen, nutzungsabhängigen Basis zur Verfügung. Das Cloud Computing hatte seinen Ursprung in der Public Cloud.

Hybrid Cloud

Hybrid Clouds sind mögliche Nutzungskombinationen von Private Clouds und Public Clouds. Mit ihrer Hilfe können die Vorteile beider Cloud-Typen genutzt werden. Die Herausforderung besteht darin, traditionelle IT-Umgebung, Private Cloud und/oder Public Cloud auf der Applikations-, der Middleware- und der Infrastruktur- Ebene in Bezug auf Services und Sicherheit zu integrieren. Die Kommunikation zwischen Private und Public Cloud erfolgt dabei über gesicherte Verbindungen.


Abrechnungsmodelle

Einer der großen Vorteile von Cloud Lösungen ist die Möglichkeit der verbrauchsgerechten Abrechnung. Es existieren verschiedene Modelle zur Abrechnung der bezogenen Leistungen aus der Cloud. Die verschiedenen Modelle richten sich nach der bezogenen Dienstleistung (IaaS, Paas oder SaaS). Je nach der gewählten Dienstleistung kann die Abrechnung unterschiedlich erfolgen. Im Folgenden werden einige Abrechnungsmodelle für die einzelnen Services dargestellt. Diese können jeweils in Reinform oder in kombinierter Form verwendet werden.

Generell kann gesagt werden, dass sich eine Änderung in der Kostenstruktur von gemischt fixen und variablen Kosten hin zu (in den meisten Fällen) reinen variablen Kosten für die Nutzer von Cloud Diensten ergibt.

Die Abrechnung von IaaS, SaaS und Paas hängen typischerweise von folgenden Abrechnungskriterien ab (Aufzählung nicht abschließend, da individuell vereinbar): Genutzte Rechenleistung, Hauptspeicherausbau, Art des Betriebssystems, Anzahl der Aufrufe (bspw. einer Plattform), Anzahl der Transaktionen, Durchsatz von Datenbeständen.

In vielen Fällen wird als Abrechnungsmodell eine Mischform der oben genannten Kriterien verwendet, um dem real genutzten Dienst möglichst nahe zu kommen.

Chancen und Risiken der Cloud

Die Cloud bietet ihren Anwendern eine Vielzahl an Chancen, aber birgt auch einige Risiken. Im Folgenden sollen die größten Chancen und Risiken genannt werden.

Vorteile und Chancen der Cloud

Der von vielen Anwendern am meisten geschätzte Vorteil der Cloud ist die Möglichkeit, von einer Mischform aus fixen und variablen Kosten auf eine rein variable Kostenstruktur umzustellen. Es müssen bspw. bei IaaS Lösungen keine fixen Kosten für die Wartung der Hardware anfallen. Weiter ist die Flexibilität, welche die Cloud bietet ein nicht zu unterschätzender Vorteil. Unternehmen werden befähigt, IT als Dienstleistung zu beziehen und diese somit bedarfsgerecht zu nutzen. Weiter ist es besonders für international agierende Unternehmen von großem Interesse, einen weltweiten Zugriff auf die IT zu haben. So wird es bspw. möglich über die Cloud auf die eigene Software zuzugfreifen und diese, egal wo man sich befindet, zu nutzen, da diese über den Browser aufgerufen werden kann. Weiter wird das Ausfallrisiko der IT auf Dritte verlagert. Somit muss ein Unternehmen keinen eigenverschuldeten Ausfall der IT befürchten.

Risiken der Cloud

Neben den Vorteilen, die durch die Cloud geboten werden, sind auch einige Risiken zu nennen.

Hauptsächlich sind dies Bedenken im Bezug auf die Sicherheit. Man vertraut seine IT, also ein Herzstück seines Unternehmens, Dritten an. Dies bedeutet, dass auch die eigenen Daten theoretisch durch Dritte eingesehen und im schlimmsten Fall manipuliert werden können. Besonders ist dies in sicherheitssensitiven Branchen, wie bspw. bei Banken, der Fall. Zudem wird die Verfügbarkeit der eigenen IT in die Hände Dritter gelegt. Dies erfordert ein hohes Maß an Vertrauen, sollte eine niedrige Ausfallzeit für den Dienstleisungsempfänger von großer Bedeutung sein.

Die größten Bedenken ruhen beim Einsatz einer public oder hybrid Cloud darin, dass eine Mandantenfähigkeit nicht gesichert ist. Wenn keine physische Trennung der Daten gegeben ist, kann es sein, dass Daten von nicht authorisierten Nutzern eingesehen werden könnten. Dies hätte besonders in informations- und sicherheitssensitiven Branchen und Bereichen schwerwiegende (rechtliche) Folgen.

Ein weiteres nicht zu unterschätzendes Risiko ist der Vendor Lock-in. Entscheidet sich ein Unternehmen für einen Anbieter von Cloud-Services, so ist es meist schwer diesen zu wechseln, sollte man nicht mehr zufireden sein. Die einzelnen Cloud-Lösungen sind meist untereinander nicht interoperabel, was eine Transformation von Cloud-Diensten sehr schwer bis unmöglich macht. Somit ist ein Unternehmen meist an einen Anbieter gebunden, sobald es sich für diesen entschieden hat.

Es gilt die Vor- und Nachteile einer Cloud Lösung abzuwägen, um zu entscheiden, ob das Auslagern der eigenen IT - ganz oder teilweise - in die Cloud sinnvoll ist.


Case Studies

L‘OCCITANE en Provence

Das Unternehmen stellt und handelt Kosmetikartikel, Düfte, Körper- und Haarpflegeprodukte in Boutiquen und im Rahmen von strategischen Partnerschaften und ist in mehr als 85 Ländern weltweit tätig. Das Online-Marketingteam sah sich mit einer geringen Rücklaufquote auf ihre E-Mail-Marketing-Kampagnen konfrontiert, woraufhin es nach einer strategischen Marktsegmentierungslösung suchte. Diese sollte auf dem tatsächlichen Internet-Käuferverhalten aufbauen und das Testen von verschiedenen Angeboten schnell und einfach ermöglichen. Mittels Cloud-basierter Analysen von IBM können nun Kaufverhaltensanalysen mit Kunden-Profil-Daten kombiniert und personalisierte Angebote/Produktvorschläge realisiert werden. Dadurch konnte das Unternehmen seine online Umsätze um knapp 2.500% steigern, die Marketing-E-Mail-Öffnungsrate stieg von 26,1 auf 43,1% und L’OCCITANE kann neue Angebote effektiv und effizient testen.

(Absatz, vgl. IBM 2011)

Guardian News & Media

Mit der Einführung neuer, größtenteils extern genutzter, Online Dienste (Guardian News & Media Content API, Apple iPhone Anwendung etc.) kam es zu hohen Schwankungen in der Ressourcenauslastung. Als Antwort darauf entschied sich das Unternehmen für eine skalierbare Infrastruktur von Amazon. Mithilfe der Amazon Elastic Compute Cloud (Amazon EC2) kann das Unternehmen auf Nachfrageschwankungen schnell reagieren, Opportunitätskosten nicht genutzter Ressourcen einsparen und von einer hohen Prozesstransparenz profitieren.

(Absatz, vgl. Amazon 2012)

Siemens

Siemens hat ein System zur Verteilung von Softwarepaketen an Endgeräte via Virtueller Privater Netzwerke (VPN) entwickelt. Mit Hilfe der Microsoft Windows Azure Platform können direkt mit dem Internet verbundene Geräte nun Software Updates und Installationen schneller und mit vermindertem Konfigurationsaufwand herunterladen bzw. installieren. Zudem kann das neue System Auslastungsschwankungen besser ausgleichen, Kosteneinsparungen können realisiert und bedeutende Anlageinvestitionen vermieden werden.

(Absatz, vgl. Microsoft 2012)


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